Marc Elsberg: „Celsius“ (geschrieben: °C)
„Celsius“ (geschrieben: °C) von Marc Elsberg handelt vom Klima sowie von Segen und Fluch
eines möglichen Geoengineering bzw. Klimadesigns. Indem man gewisse Chemikalien in
größeren Mengen in die oberen Schichten der Atmosphäre einbringt, steuert man die
Wärmeabstrahlung oder Aufheizung der Erde. Jemand bemerkt so richtig in dem Roman: „Die
Erde ist doch keine Wohnung, bei der man beliebig am Thermostat herumdrehen darf!“
Könnte man aber! Man sagt ja so richtig: „Alles was machbar ist, wird irgendjemand machen.“
Und in dieser Geschichte ist ein ganz großes Ding am Laufen. Jeder, der davon weiß, stirbt
einen plötzlichen Tod.
Gefallen hat mir dieser Roman nicht. Nicht nur wegen dem bedrohlichen Zukunftsszenario.
Vor allem wegen dem typisch amerikanischen Bestseller-Schreibstil, gemischt mit unzähligen
Powerpoint-Präsentationen und Vorträgen. Innerhalb kurzer Zeit werden zahlreiche Personen
eingeführt, zwischen deren Perspektiven in schneller Folge hin- und hergesprungen wird. Die
Leute reden amerikanisch, handeln amerikanisch und verkörpern Klischees. Selbst Freunde
und Ehepartner sind anscheinend die ganze Zeit am Streiten. Man verbündet sich, lügt
einander jedoch die ganze Zeit an. Das machte mir leider niemanden so richtig sympathisch.
Auch wenn der wissenschaftliche Hintergrund des Geoengineering sehr interessant und
relevant fürs Verständnis ist, besteht doch ein zu großer Anteil des Buchs aus Powerpoint-
Präsentationen, Erklärungen, Diskussionen und Visionsvideos. Die beschriebenen Vorträge
sind erfreulich anschaulich und bildhaft gestaltet, bleiben aber Vorträge. Witzig finde ich
dagegen, dass man manchmal zwischen Video und Realität nicht unterscheiden kann. Auf
diese Weise erleben wir die Zukunft drei Mal. Was praktisch bedeutet, dass man hätte
einschreiten und die Katastrophe verhindern können. Was leider nicht geschah.
Ich will nicht zu viel verraten, aber interessant ist die Frage doch: Was wäre, wenn die Erde so
stark abgekühlt würde, dass Europa sibirisch und die Tropen gemäßigt würden? Schließlich
herrscht im fruchtbaren mittelwarmen Klima der höchste Wohlstand. Würde Europa zum
Entwicklungsland und Afrika zum Zentrum des Wirtschaftswachstums?
Lustig fand ich den Begriff der Kleptokratie als Alternative zu Monarchie und Demokratie.
Stutzen musste ich bei der Formulierung „klimaneutrale Welt“. Die kann es ja gar nicht geben!