Fritzi Fröbel: Die Hexe erwacht
Die Idee dieses Fantasyromans gefiel mir gut: ein feministischer Roman über Frauen bzw.
Hexen, die sich nichts mehr gefallen lassen wollen, die füreinander einstehen und einander
helfen. Teile der Handlung spielen in München-Leim, ein großer Teil in dem wunderschönen
Elfenland namens Lagardien. Die Autorin hat die Elfenwelt liebevoll entworfen und dekoriert.
Die Einsamkeit der Hexe, die nicht altert, konnte ich mir gut vorstellen. Außer der
Diskriminierung von Frauen werden auch Themen wie Umweltschutz, Fischsterben und
Klimaerwärmung angesprochen.
Leider hat mich die Geschichte dann aber doch nicht gefesselt. Die Handlung ist eine Mischung
aus Kitsch-Liebesroman und Fantasy-Standard-Plot: Hauptperson wird in eine Parallelwelt
entführt, erfährt dort, dass sie eine wichtige Person mit magischen Fähigkeiten ist, von der die
Geschicke der Elfenwelt abhängen. Sie wird in den Krieg der dort lebenden sieben Völker
hineingezogen. Leider hat der Plot weder Thema noch Struktur. Die eigentlich langatmige
Handlung wird durch sinnlose Gewalt dramatisiert. Die handelnden Personen sind
klischeehaft und ihnen fehlt Tiefe. Die Hauptperson, Hexe Elin, ist eine arrogante Schlampe,
die jeden Mann verführt, um dadurch Macht über ihn auszuüben und ihn so zu kontrollieren.
Ihre magischen Fähigkeiten vergisst sie mit der Zeit selbst. Letztlich macht sie alles immer nur
halb. Wenn Rache ihr Hauptziel ist, warum sucht Elin dann Fluchtwege, greift verschiedene
Leute an, liest historische Bücher in der Bibliothek, knutscht alle verfügbaren Männer und
versucht nicht herauszufinden, wer ihre Freundinnen erledigt hat?
Ich wurde mit der wankelmütigen Hauptperson gar nicht warm. Elin behauptet, sie würde die
anderen lieben, verhält sich aber als sei das gar nicht der Fall. Sie redet mit niemandem über
ihre Gefühle und Probleme, sondern flieht in Einsamkeit oder Sex. Sie pendelt zwischen
Verletztheit, Drogenrausch, sexueller Erregung und Rachephantasien planlos hin und her.
Schön fand ich aber diese Beschreibung: „Sie winkte der Kellnerin, einer abgehalfterten Frau,
die einmal schön gewesen sein mochte, aber solchen Kategorien längst entwachsen. Sie war
eine Königin und zugleich eine Piratin, jeder machte ihr Platz, und wenn sie sprach, zuckten
selbst die Bärtigen am Tresen zusammen und hörten ihr zu. Ihr Lachen war boshaft und doch
eine Einladung mitzulachen, selbst wenn ich nicht verstehen konnte, worum es in dem
Gespräch ging.“
Biographie: „Fritzi Froebel (*1978) kann zwar nicht auf einem Besen fliegen, dafür aber hinter
die Grenzen der Realität blicken. Was sie dort entdeckt, schreibt sie auf, seit sie des Schreibens
mächtig ist. Diesseits hat ihre Neugier für einen Doktortitel in Neurobiologie gereicht und ihr
kreativer Geist sie ins Marketing verschlagen. Nach Stationen in Paris, Stuttgart, Göttingen
und Rom lebt sie mit ihrer Familie in ihrer Geburtsstadt München. »Die Hexe erwacht« ist ihr
Debütroman.“ (Amazon)
Fritzi Fröbel: Die Hexe erwacht
Valmis Verlag, 1. Auflage 2026, www.valmisverlag.de
E-Buch oder Taschenbuch, 460 Seiten
ISBN 978-3819496462
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1078190091