Jane Austen: Mansfield Park
„Mansfield Park“ ist ein Roman von Jane Austen, aber gleichzeitig auch ein Essay über die
richtige Erziehung. In der reichen Familie Bertrand wachsen fünf Kinder im selben Umfeld auf,
jedoch wird jedes anders behandelt: Tom, der älteste Sohn, wird als reicher Erbe verwöhnt.
Er gilt etwas in der Gesellschaft und lebt leichtsinnig auf großem Fuß. Das wäre wohl böse
ausgegangen, wäre er nicht lebensgefährlich erkrankt, denn dies läutert seinen Charakter.
Sein jüngerer Bruder Edmund war sich stets bewusst, seinen Lebensunterhalt verdienen zu
müssen. Er entscheidet sich früh für den Beruf des Pfarrers und wird ein ernsthafter,
mitfühlender Mensch, ganz im Gegensatz zu seinen Geschwistern. Maria und Julia werden von
ihrer Mutter und Tante zu Standesdünkeln und Eitelkeit erzogen. Der Vater versucht, dem
entgegen zu wirken, doch kommt seine Strenge nicht gut an. Fanny Price ist eine Cousine, die
im Herrenhaus gnädig aufgenommen wird, um ihre kinderreichen Eltern zu entlasten. Ihr wird
jedoch immer wieder zu verstehen gegeben, dass sie nicht wirklich dazu gehört und weniger
wert ist. Nur Edmund ist nett zu ihr, und so verliebt sie sich nach und nach in ihn. Beide
bestärken einander in moralischem Verhalten, Feingefühl und Anstand.
Während der Onkel zwei Jahre ins Ausland muss, nimmt zu Hause das moralische Unglück
seinen Lauf. Maria verlobt sich mit einem sehr reichen Mann, den sie allerdings nicht liebt.
Edmund verliebt sich in Mary Crawford, deren moralisch bedenkliche Ansichten ihn zunächst
stören, gegenüber denen er aber allmählich blind wird. Zu guter Letzt proben die jungen Leute
für ein Theaterstück, was damals als anrüchig galt, weil dabei peinliche Texte gesprochen
werden und Männlein und Weiblein einander körperlich nahekommen. Der leichtlebig Henry
Crawford flirtet zum Spaß sowohl mit Maria als auch mit Julia. Als der Onkel zurückkehrt,
beendet er das leichtsinnige Treiben. Maria heiratet ihren Verlobten.
Als nächste Untat flirtet Henry Crawford mit Fanny, stößt aber auf Granit. Sie fand sein
Verhalten gegenüber ihren Cousinen unmoralisch und ist ja heimlich in einen anderen verliebt.
Je mehr sie sich sträubt, umso mehr möchte Henry sie gewinnen. Er bittet sie um ihre Hand
und gibt sich sogar Mühe, ein ernsterer Mensch zu werden. Der Onkel versteht gar nicht,
warum Fanny diese unerwartet günstige Heirat ablehnt. Sie möchte ihm nichts von Crawfords
Verhalten erzählen, um ihre Cousinen nicht bloßzustellen. Also schickt der Onkel sie auf
mehrmonatigen Verwandtenbesuch zu ihren Eltern und Geschwistern. Dort erlebt sie
tatsächlich den erwünschten Kulturschock. Sie fühlt sich fremd in ihrer eigenen Familie mit
den ruppigen Manieren und der Armut. Trotzdem hält sie an ihren moralischen Grundsätzen
fest, nämlich dass sie Crawford nicht vertrauen kann.
Zu guter Letzt zeigt sich, wie richtig es war, dass sie allem Drängen und aller Verlockung einer
reichen Heirat mit Henry widerstanden hat. Es kommt zu einem Skandal. Bei dieser
Gelegenheit schockiert auch Henrys Schwester Mary Edmund mit ihren unmoralischen
Ansichten, so dass es zur Ernüchterung Edmunds und zum Bruch kommt. Wie im Märchen
setzt sich zu guter Letzt das Gute durch: Edmund erkennt Fannys Wert, die als einzige die
ganze Zeit über ihre moralische Integrität bewahrt hat. Heirat, Happy End!
In dem Roman werden einige Faktoren diskutiert, die den Charakter verderben: Verwöhnung,
zu viel Lob, Anstiftung zur Überheblichkeit und Egoismus, schlechter Umgang. Zur
Charakterbildung der vorbildlichen Fanny trugen bei: eine strenge Erziehung zu Disziplin, nur
wenig Lob, Bescheidenheit, zwei gute Freunde (Edmund und ihr Bruder William), ein sauberes
und gesittetes Umfeld. Bei Edmund kommt noch dazu das Wissen, dass er als einziger der Geschwister mal seinen Lebensunterhalt selbst verdienen muss, außerdem die Fürsorge für
die verschreckte und etwas kränkliche Fanny.
Ob diese Erziehungsweisheiten ganz den neusten Stand der Forschung wiederspiegeln, weiß
ich nicht. Aber sehr wohl, dass man bei unmoralischen Leuten nicht lange warten muss, bis sie
wieder etwas verbocken.